Ein Roadtrip durch den Norden

Anfang Juni sind wir auf einen Roadtrip durch Norddeutschland und Dänemark gestartet. Hier ein kurzer Bericht von dem, was wir erlebt haben.

 

Tag 1:

Nach mehrstündiger Fahrt (mit langen, stauigen Unterbrechungen) erreichen wir unser Reiseziel an diesem Tag: die Villa Leda, eine große Villa mit Stadtgarten, welche von ihren niederländischen Besitzern in ein schönes Bed & Breakfast umgebaut wurde.

Am Abend gehen wir zu Fuß durch Leer um in einem traditionellen Restaurant traditionell Fisch zu essen, um unseren Reisebeginn in Norddeutschland zu feiern. Wir entscheiden uns aber spontan für den Gasthof zur Leda und essen dort Tapas. Es hat sehr gut geschmeckt!

 

Tag 2:

Nach einem wundervollen Frühstück fahren wir über Landstraßen durch Ostfriesland. Wir halten in mehreren Dörfern, unter anderem auch in Bagband, wo wir in der Mühle zu Mittag essen. Die Mühle ist ein Gasthof, welcher vor allem durch seine Innendekoration besticht. Überall hängen Dinge an der Wand oder stehen Sachen auf den uralten Schränken.

Fischereihafen in Bremerhaven

Von Bagband fahren wir, weiterhin über Landstraßen, nach Bremerhaven. Wir schauen im Internet nach einer geeigneten Unterkunft und finden eine direkt am Fischereihafen. Nachdem wir unser Gepäck auf das Zimmer gebracht haben, fahren wir in die Innenstadt. Dort müssen wir feststellen, dass Bremerhaven keine Stadt ist, welche uns – nun ja – optisch zusagt. Also fahren wir nach einem kurzen Spaziergang am Wasser wieder zurück zum Fischereihafen, wo wir zu Fischbrötchen den Sonnenuntergang beobachten.

 

Tag 3:

Der Morgen startet mit einem Museumsbesuch. Das Deutsche Auswandererhaus ist ein Museum über die Geschichte der deutschen Emigranten. Es zeigt sehr schön, und teilweise zum Anfassen, die damaligen Bedingungen der Überseefahrten, und erzählt viele Geschichten von Einzelschicksalen. Ein ganzer Tag würde nicht ausreichen wenn man jedes einzelne Schild lesen wollte. Und man will viel lesen, denn es ist spannend geschrieben, wie es den Leuten auf der Reise erging, oder was mit ihnen in den neuen Ländern passiert ist.

Unser heutiges Tagesziel heißt Flensburg. Die Fahrt dorthin führt, wie immer, über Landstraße, mit Zuhilfenahme der Fähre bei Glückstadt, und einem Umweg über Schleswig. In Flensburg erwartet uns ein Freund, den ich seit dem Kindergarten kenne. Wir suchen den Hafen auf um dort zu essen und noch ein Weilchen die Sonne zu genießen. Und da er sehr Dänemarkaffin ist, gibt er uns direkt noch so viele Tipps für unsere Reise, dass wir unsere ursprüngliche Reiseroute zu großen Teilen ändern.

 

Tag 4:

Ein beliebtes Bikerziel.
Annies Kiosk

Ein Tipp des gestrigen Abends ist ein Besuch bei „Annies Kiosk“. Das ist eine kleine Bude, bei der es wahnsinnig leckere Hot Dogs gibt und großes Softeis. Warum auch immer, aber mit der Zeit hat sich diese Bude zu einer Attraktion gewandelt, weswegen die Menschen in langen Schlangen stehen, und der riesengroße Parkplatz auch immer voll zu sein scheint.

Wir folgen der Margeritenroute durch Jütland bis nach Aarhus. Dort haben wir zum ersten Mal Pech was unser Händchen für Unterkünfte auf Roadtrips angeht. Eine hässliche Absteige, die zudem auch noch total überteuert ist, wird auf dieser Reise zum Glück der einzige Griff ins Klo bleiben. Nach dem Abladen des Gepäcks fahren wir schnell wieder in die Innenstadt. Dort suchen und finden wir ein Restaurant mit akzeptablen Preisen. Denn was wir feststellen mussten: Dänemark ist ein sehr teures Land. Ein kurzer Blick in ein McDonald‘s um den BicMac Index zu checken bestätigt später das Gefühl, dass die Preise hier um etwa 20% teurer sind als in Deutschland.

 

Tag 5:

Den Gamle By

Auch dieser Morgen startet mit einem Museumsbesuch, nämlich das Den Gamle By, welches das älteste Freilichtmuseum mit städtischer Kulturgeschichte ist. Es liegt mitten in Aarhus, und wenn man den Stadtlärm überhört, dann kommt man sich durch die dichte Bauweise der Häuser vor wie in der Zeit zurückversetzt. Kleine Läden und Cafés ergänzen das Stadtbild. Die Verkäufer tragen traditionelle Kleidung, um die Illusion aufrecht zu erhalten.

Helsingør

Nach dem Museumsbesuch nehmen wir die Fähre nach Odden, um kurz darauf mit einer weiteren Fähre vom schönen Rørvig nach Hundested überzusetzen. Von dort fahren wir über Hillerød nach Helsingør. Diesmal haben wir auch Glück mit unserem Motel. Am Abend erkunden wir die wirklich beeindruckende Altstadt von Helsingør mit ihren vielen vor 1700 errichteten Häusern.

 

Tag 6:

Wir fahren langsam am Meer entlang. Schon nach wenigen Kilometern fällt uns auf, dass dies die Luxusgegend Dänemarks sein muss, überall stehen riesige Villen. Nach einem kurzen Halt auf halber Strecke zu Kopenhagen an einem Strand um das sonnige Wetter zu genießen, fahren wir in die dänische Hauptstadt hinein. Wir stellen das Auto in einem Parkhaus ab und machen uns auf zum Hafengebiet. In Flensburg wurde uns empfohlen, hier eine Bootstour zu machen, und zum ersten Kennenlernen der Stadt ist das sicher eine gute Idee. Die Tour führt durch diverse mehr oder weniger interessante Stadtteile, unter anderem an einer ehemaligen U-Boot-Werft vorbei, die nun aus Luxuswohnungen besteht.

Hafen in Kopenhagen

Nach der Tour laufen wir durch die Innenstadt und genießen die Stimmung. Es ist immernoch sehr sonnig und warm, wir essen Softeis, schauen uns im Lego-Laden um, und ruhen uns im Park aus. Am Abend zahlen wir für vier Stunden parken ca. 20 Euro, und fahren dann zur Wohnung, welche wir vorab über Airbnb gefunden haben. So treffen wir die Wohnungsinhaberin Katrine, eine dänische Künstlerin. Sie übergibt uns die Schlüssel und zeigt uns noch einen Platz in der Tiefgarage für unser Auto. Diesen hatte sie freundlicherweise auch noch für uns organisiert. Unser Viertel ist nicht zu weit weg von der Innenstadt und eher alternativ angehaucht. Zu Abend essen wir in „Kate’s Joint“. Einzig eine Tafel am Straßenrand weist auf diese Lokalität hin, am Gebäude selber hängt nichts. Das Essen aus, sagen wir mal, internationaler Küche, schmeckt solide.

 

Tag 7:

Es regnet, und das wird sich auch den gesamten Tag über nicht ändern. Trotzdem machen wir uns zu Fuß durch die Stadt und laufen ins Nationalmuseum, welches uns mit freiem Eintritt überrascht (in insgesamt zehn staatlichen Museen in der Hauptstadt muss man keinen Eintritt zahlen). Besonders die Zeit von der Steinzeit bis zum frühen Mittelalter ist total interessant. Ab da bekommen wir allerdings das Gefühl, dass wir uns in einem Sammelsurium von Gegenständen aus aller Welt befinden. Die Sammlung aus Grönland beeindruckt uns jedoch sehr.

Nach unserem Besuch im Museum laufen wir nach Christiania. Dieses autonome Gebiet innerhalb Kopenhagens wird oft als Sammelstätte für Freidenker und Kreative angepriesen. Wir begegnen bei diesem Regenwetter jedoch vorwiegend Leuten die uns unheimlich sind. Lange bleiben wir nicht in der eher rechtsfreien Zone (ich empfehle den Wikipedia Artikel über die Entstehung Christianias zu lesen).

Wir schlängeln uns zu Fuß weiter durch die Stadt, bis zu den Markthallen. Leider kommen wir dort zu spät an, die ersten Stände schließen schon. Durchnässt beschließen wir zunächst  zur Wohnung zurückzukehren. Uns fällt auf, dass trotz des Dauerregens viele Däninnen in kurzen Hosen oder Miniröcken rumlaufen, und nicht wie wir in langer Montur mit Regenjacke.

 

Tag 8:

Die Rechnung: umgerechnet 37 Euro

Ein weiterer Tag, an dem wir viel laufen werden, fängt heute mit einem Besuch bei Ida Davidsen an. Dort gibt es Smørrebrød in allen erdenklichen Variationen zu verspeisen. Ich entscheide mich für eines mit Roastbeef, Maraike wählt die Variante mit Lachs. Es schmeckt verdammt lecker. Wir genießen und essen betont langsam. Nach dem Bezahlen verdrängen wir ganz schnell, dass wir für zwei Butterbrote und zwei Wasser 275 Kronen bezahlt haben (37 Euro). Wir sind im Urlaub und müssen doch das dänische Nationalgericht probiert haben!

Nach dem Smørrebrød-Ausflug geht’s weiter durch die Stadt in einen eher abgelegenen Laden namens Karamelleriet. Dort gibt es handgemachte Süßigkeiten aus Karamell. Die uralten Maschinen, welche zur Herstellung benutzt werden, stehen in den Verkaufsräumen. Leider waren sie gerade nicht in Betrieb. Nächste Station – zu Fuß gefühlt am anderen Ende der Stadt – ist der Designer Zoo. In diesem Laden werden Alltagsgegenstände verkauft, welche von jungen Künstlern gestaltet wurden. Auf Anfrage kann man sich auch bestimmte Dinge eigens gestalten lassen.

Nach etwa 14 gelaufen Kilometern kommen wir wieder zu Hause an und werden dabei von wummernden Beats empfangen. In unserem Viertel startet nämlich das Distortion Festival. Natürlich mischen auch wir uns spontan unter die Menge. Drei große Bühnen und viele kleine Stände stehen hier inmitten von tausenden von Menschen, die alle am Feiern sind. Das Festival geht über vier Tage und findet jeden Tag in anderen Vierteln der Stadt statt.

 

Tag 9:

Das Holstentor

Der Roadtrip geht weiter. Mit der Fähre verlassen wir Dänemark und setzen über nach Fehmarn. Nach diversen Zwischenhalten an eher unspektakulären Orten kommen wir am Nachmittag in Lübeck an, wo wir uns in einem kleinen Hotel einquartieren. Wir laufen Richtung Innenstadt und besuchen das Holstentor. Dort wird gerade gedreht und das Tor weiträumig abgeblockt. Immer diese Filmleute …

Dann kommt das kulinarische Highlight dieser Reise. Das Restaurant Hacienda im Erdgeschoss des Hotels bietet dermaßen fantastisches Essen, dass es uns fast vom Stuhl haut. Das Fleisch ist absolut hervorragend, immer auf den Punkt, und selbst die Beilagen sind richtig lecker. Wer an Lübeck vorbeifährt muss unbedingt im Hacienda essen gehen!

 

Tag 10:

Ein Triceratops

Dieser Tag startet mit einem Besuch in einem Dinopark. Auf einem Plakat hatten wir zufällig davon erfahren und uns  entschlossen da mal hin zu fahren. Und, nun ja, man sieht den Ausstellungsstücken an, dass sie die besten Tage hinter sich gelassen haben. Ein bisschen enttäuscht machen wir uns auf nach Kiel. Die wirklich schönen Ecken haben wir hier leider nicht gefunden. Und auch die Altstadt scheint vom Namen her nur eine geografische Bezeichnung zu sein. Beeindruckt hat uns aber ein riesiges Kreuzfahrtschiff am Hafen. Wir treffen uns mit Freunden und verbringen einen schönen Abend miteinander.

 

Tag 11:

Das Freilichtmuseum Molfsee ist das Größte in Schleswig-Holstein. Wir bleiben allerdings nicht lange, da wir noch zu Freunden nach Pinneberg wollen. Gegen Mittag spätstücken wir, nur um kurze Zeit später den Grill anzuschmeißen und wahnsinnig leckeres Grillgut zu konsumieren. Bis spät in die Nacht hinein bleiben wir draußen und genießen den Abend.

 

Tag 12:

Elbekreuzung 2

Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir zur Elbe an den Strand, wo auch riesige Strommasten stehen. Diese insgesamt vier Masten mit den Namen Elbekreuzung 1 und 2 gehören zu den höchsten Freileitungsspannmästen Europas. Da uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht fahren wir recht bald wieder zurück. Wir bleiben noch bis zum frühen Abend in Pinneberg und fahren dann gemütlich nach Köln, wo unser Roadtrip sein Ende findet.

 

(Maraike konnte es nicht lassen, sich hier in dem Text ebenfalls einzubringen 😉 )

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