Unsere Fernwanderung (Teil 2)

Nachdem wir im ersten Teil u. a. von der Sonne gegrillt wurden, schwimmen waren und Karate-Breakdance-Moves vollführt haben, geht es in diesem Teil weiter.

 

Tag 9 – Von Behringen nach Reinsehlen
Gewanderte Km: 13,8 Km
Erkenntnis des Tages: Entspannung tut gut

Mittagsmahlzeit

Die letzten zwei Tage erheblich abzukürzen hat unseren Körpern erheblich gut getan. Wir kommen sehr gut voran, die Füße und die Hüften schmerzen nicht mehr so sehr bzw. nicht mehr so schnell. Die ersten zwei Drittel des Weges treffen wir außer zwei freundlichen Mountainbikern keine Menschenseele. Kurz vorm Ziel, dem Camp Reinsehlen, wo wir vor zwei Jahren bereits waren, machen wir noch unsere Mittagspause mitten auf dem Weg. Trotzdem kommen wir zu früh im Camp an, was aber nicht schlimm ist, da wir nun durch vorhandenes WLAN und Strom ausgiebig im Internet surfen können. Als wir unsere Schlüssel bekommen waschen wir erst mal fast unsere gesamte Wäsche, trocknen das Zelt, duschen uns und machen es uns einfach im Zimmer gemütlich. Außerdem genießen wir förmlich den Regenschauer, der uns nun in dieser festen Unterkunft nichts anhaben kann. Abends gibt es schließlich das lang ersehnte Heidschnuckenragout.

 

Tag 10 – Pausentag

Camp Reinsehlen

Wir haben extra zwei Nächte In Reinsehlen geplant, zum einen um einfach die schöne Unterkunft genießen zu können, und zum anderen um uns richtig auszuruhen für die nächsten Kilometer.

Aber wir können es ja nicht lassen. Mit dem Heideshuttle sind wir wieder auf Achse, auch um Proviant für die nächsten Tage zu kaufen. Wir essen mal wieder ein Eis und “wandern” sogar eine kurze Strecke. Ansonsten lassen wir es wirklich ruhig angehen und sammeln Kraft für die nächsten Tage.

 

Tag 11 – Von Reinsehlen nach Oberhaverbeck
Gewanderte Km: 8,8 Km
Erkenntnis des Tages: Wir werden fitter

Heidschnuckenburger

Wir haben kaum noch Schmerzen und der Rucksack trägt sich erstaunlich leicht. Wir haben absichtlich eine kürzere Route für heute geplant, welche uns fast schon zu kurz vorkommt. Das Wetter ist angenehm und wir machen nur einmal Pause.

Wir kommen mittags an, duschen, richten uns ein und essen ein Stück Buchweizentorte. Abends gibt es für mich einen sauleckeren Heidschnuckenburger mit Süßkartoffelpommes. Der Kellner ist sehr nett, redselig und wir haben eine schöne Zeit im Stimbekhof.

 

Tag 12 – Von Oberhaverbeck nach Undeloh
Gewanderte Km: 13,9 Km
Erkenntnis des Tages: Die Heide ist in den 80ern stehengeblieben

Forstweg

Das Frühstück wird hervorragend präsentiert und schmeckt fantastisch. Im Gespräch mit dem Mitarbeiter lernen wir viel über den Tourismus in der Heide, z. B. dass das Heidegebiet mehr oder weniger in der Zeit stehengeblieben ist und sich nicht weiterentwickelt hat, was das Erscheinungsbild von einigen Unterkünften in denen wir waren und die auch noch kommen sollten uns bestätigt. Und wir finden heraus, dass wir als einzige Gäste für diese Nacht für den Stimbekhof ein Minusgeschäft sind und nur deswegen dort übernachten durften, weil einer Mitarbeiterin ein Fehler unterlaufen ist, sonst hätten wir gar nicht erst angenommen werden dürfen. Wir freuen uns über diesen Fehler, da uns die Unterkunft sehr gut gefallen hat.
Wir wandern los und merken schnell, dass die heutige Tour etwas voller werden sollte als sonst. Die Heide ist geradezu überschwemmt von Touristen. Aber dazwischen sind auch einige die uns ansprechen und mit denen sich nette Gespräche entwickeln. So interessiert sich ein Mann sehr für unsere Unternehmung und wir sehen eine Begeisterung in seinen Augen, die seine Frau, der er das alles erzählt, offensichtlich nicht teilt. Wir nennen ihn den “ehemaligen Abenteurer”. Weiter des Weges begegnen uns zwei ältere Pärchen aus Hamburg, die ebenfalls begeistert sind von dem was wir tun und interessiert Fragen stellen.
Unsere Unterkunft ist wieder typisch 80er und wir müssen zwangsläufig an die Unterhaltung mit dem Mitarbeiter vom Stimbekhof denken.

 

Tag 13 – Von Undeloh nach Holm-Seppensen
Gewanderte Km: 17,9 Km
Erkenntnis des Tages: Zufälle sorgen immer wieder für Geschichten

Trockenphase

Heute begegnen wir sehr vielen Wanderern. Gegen Ende dieser Strecke sage ich zu Maraike, dass dies die letzten Meter Heidschnuckenweg sein werden und somit die letzten Meter, wo wir diesen zwei komischen Wanderinnen mit dem Hund begegnen könnten, wie schon so ein paar Mal zuvor auf dieser Tour. Aber sowohl zeitmäßig als auch Streckenmäßig ist es total unwahrscheinlich, dass das passieren würde. Außerdem biegen wir jetzt ab und laufen nach Holm-Seppensen und verlassen den Heidschnuckenweg. Nach ein paar Metern ruft Maraike ungläubig: „Das sind die doch!“ und deutet auf zwei Wanderinnen mit einem Hund auf der anderen Seite des kleinen Flusses, die aus Holm-Seppensen kommen. Ich winke, sie winken zurück.
Der heutige Campingplatz ist sehr modern und wir haben einen Platz direkt am See. Wir treffen noch einen Tretrollerfahrer der uns schon am Tag zuvor aufgefallen ist. Abends lassen wir uns Pizza zum Platz liefern und verspeisen unser Essen auf der Bank neben unserem Zelt.

 

Tag 14 – Von Holm-Seppensen nach Buchholz in der Nordheide
Gewanderte Km: 6,9 Km
Erkenntnis des Tages: Der Heidschnuckenweg war wirklich schön

Folge dem H!

Der Morgen ist eisig kalt, aber das Laufen hält warm. Die Menschen ändern sich langsam und werden distanzierter. Wir machen nur eine Pause. In Buchholz kaufen wir noch ein Ladekabel für Maraikes Handy, weil wir das andere anscheinend verloren haben. Außerdem kaufen wir Bahntickets nach Hamburg. Dann ist unsere Wanderung über den Heidschnuckenweg zu Ende. Zum Glück ist das unser Urlaub aber nicht. Bereits in Hamburg treffen wir in der Bahn auf eine Schülerin, die sich für unser Abenteuer interessiert. Sie selber hat aber auch eine Geschichte zu erzählen, da sie als Einradfahrerin auf Meisterschaften und Treffen auf der ganzen Welt teilnimmt. Nun fahren wir zu Freunden und verbringen einige Tage bei diesen und schauen uns Hamburg an.

 

Schietwetter

Tag 15 bis 17
Schietwetter in Hamburg. Es gehört dazu und es ist uns egal. Schließlich haben wir eine komplette Regenausrüstung dabei und müssen nix aufbauen.

Nur das mit dem Entspannen hat natürlich nicht ganz hingehauen, irgendwie gibt es dann doch zu viel zu tun und zu sehen…

Außerdem: Fischmarkt, Strandperle, Hafencity.

 

Tag 18 – Büchen nach Güster
Gewanderte Km: 11,7 Km
Erkenntnis des Tages: Keine Saison – alles leer

Elbe-Lübeckkanal

Mit der Bahn fahren wir raus aus Hamburg nach Büchen und laufen los. Es ist kein Wölkchen am Himmel und entlang unserer Route am Elbe-Lübeck Kanal gibt es keine Bäume und somit auch keinen Schatten. Als wir am Campingplatz ankommen waren wir noch lange nicht da, denn dieser Zog sich über 2 Km, bis wir endlich am Eingang waren. Mittlerweile ist ja September und es ist unter der Woche, weswegen es sehr leer ist. Uns stört das nicht, wir hüpfen auf der Hüpfburg und machen lustige Fotos. Das Essen in der Gaststätte, welches von einem alten Seebären betrieben wird, ist überraschend gut.

 

Tag 19 – Güster nach Drüsen
Gewanderte Km: 18,2 Km
Erkenntnis des Tages: Es wird kälter

Schaurig schöne Spinnenlandschaft

Der Seebär macht uns ein unheimlich deftiges Frühstück. Wie gut, dass wir diese Energie auch benötigen. Wir machen einen Umweg nach Göttin um Fotos mit dem Ortseingangsschild zu machen. Als wir danach die Autobahn unterqueren kommen wir in einen Wald mit einer nahezu unheimlichen Spinnenlandschaft. Riesige Spinnennetze durchziehen den Wald dicht an dicht und wir wagen es nicht vom Weg abzuweichen. Der Campingplatz ist auch diesmal an einem See, aber auch heute hüpfen wir nicht ins Wasser. Wir bevorzugen die Dusche. Das Wetter ist immernoch Bombe, jedoch ist es abends und besonders nachts so kalt, dass wir mit langen Klamotten im Schlafsack schlafen.

 

Tag 20 – Drüsen nach Römnitz
Gewanderte Km: 18,7 Km
Erkenntnis des Tages: Unser Zelt ist wirklich toll

Abendstimmung

Durch den Wald geht es heute auch mal einige Hügel rauf und runter. Mit dem schweren Gepäck ist das dann durchaus anstrengend. Unsere Mittagsrast machen wir sehr spät weil es kilometerlang keine Sitzmöglichkeit gibt. Am Ende halten wir auf einem kleinen Steg und machen dort Mittag. Der letzte Campingplatz des Urlaubes entspricht zum ersten Mal den niedrigen Erwartungen, was aber nicht schlimm ist, weil wir es ja erwartet haben. Wir bauen uns unter einem Baum auf in der Hoffnung, dass wir nicht so viel Morgentau abbekommen werden und das Zelt dann so nass ist. Mit dem Taxi fahren wir nach Ratzeburg rein, was wirklich nicht schön ist, bis auf die Domgegend, die wiederum sehr ansehnlich ist. Zu Abend essen wir im vom Taxifahrer empfohlenen Restaurant. Dieser fährt uns danach auch wieder zurück zum Campingplatz.
Unsere Zeltnachbarn sind gerade am Grillen als wir wiederkommen. Die beiden Endvierziger haben ebenfalls eine lange Tour hinter sich. Sie waren mit dem Rad wie wir drei Wochen unterwegs und sind rund 1.000 Km gefahren. Letztes Jahr war sie sogar mit ihrer Tochter und einem 18 Kg schweren Rucksack auf Island unterwegs mit täglichen Etappen von 24 Km. Wir bleiben vorerst bei den leichteren Touren. Die letzte Nacht im Zelt bricht an und wir stellen fest: dieses Zelt ist einfach unser bester Spontankauf der letzten Jahre. Leicht, schnell auf- und abzubauen und die Funktionalität ist einfach Klasse, was auch unsere Zeltnachbarn bestätigen, die immerhin 6 Zelte zu Hause haben.

 

Tag 21 – Römnitz nach Lübeck
Gewanderte Km: 19,4 Km
Erkenntnis des Tages: Man kann so viel planen wie man will…

Surreale Waldlandschaft

Unser Zelt ist staubtrocken, der Plan mit dem Baum ging auf. Trotzdem ist es relativ kalt am Morgen. Irgendwann laufen wir durch einen Wald, welcher wie aus einer Fantasielandschaft zu entstammen scheint. Seltsame Pflanzen und komisch geformte Bäume stehen am Wegesrand. Wir überqueren die Ländergrenze zu Mecklenburg-Vorpommern und rasten auf einer Bank neben mehreren Apfelbäumen, die auch sehr saftige und leckere Äpfel tragen. Heute laufen wir leider auch auf vielen Straßen da die Strecke nicht anders Planbar war, aber es sind trotzdem interessante und schöne Wege dabei. Trotz aller Planung kann man mit Google Maps nicht immer ersehen, ob die Wege auch genutzt werden dürfen oder überhaupt existieren. So müssen wir einen größeren Umweg in Kauf nehmen, da es einfach keinen Weg gab. Die letzten Meter marschieren wir einen etwas schnelleren Schritt um den nächsten der nur stündlich fahrenden Züge zu erwischen. Wir fahren nach Lübeck zu Freunden und am nächsten Tag zurück nach Köln. Unsere Reise ist zu Ende.

 

Fazit
Gewanderte Gesamtkilometer: 227,1 Km

Die Heide

Die ersten Tage waren eine ständige Schmerzverlagerung. Zum einen versuchte man den Druck des Gepäcks auf die Körperstellen zu verteilen die weniger schmerzten als andere. Trotzdem war es natürlich ein reines Schmerzen aushalten. Je weiter wir aber mit der Tour gekommen sind, desto fitter sind wir geworden. Taten uns anfangs bereits nach drei Kilometern die Füße und Hüften weh, konnten wir am Ende die Strecken ohne Probleme schaffen.
Zudem werden die Ansprüche angepasst. Wir haben eigentlich außer vom Südseecamp keinen Campingplatz erwartet der wirklich gut war. Am Ende war es nur ein einziger Campingplatz, der “nur” OK war, aber selbst das war total in Ordnung. Die sanitären Anlagen waren in einem guten Zustand und mehr brauchten wir nicht. Wir sind super mit ganz wenigen Dingen zu Recht gekommen. Wäre es kälter gewesen hätten wir wahrscheinlich Probleme bekommen jeden Tag die gewaschenen Klamotten zu trocknen, aber auch das ist uns ein paar Mal passiert und am Ende hat trotzdem alles hingehauen.
Es ist wohl der Urlaub, bei dem wir zwar nicht so viel erlebt, aber sehr viel gelernt haben, vor allem über uns selbst. Wir fühlen uns toll, haben fast durchgängig Natur um uns gehabt und sind interessanten Menschen begegnet. Vor allem aber konnten wir komplett abschalten. Wenn ich den aktuellen Trend aufgreifen würde müsste ich unsere Reise als „Detox-Trekking-Adventure mit Wildlife-Experience“ bewerben.
Ich kann jedem nur empfehlen zumindest einmal eine mehrtägige Wanderung zu machen. Denn das Gefühl befreit und dauerhaft in der Natur zu sein kann man nicht beschreiben. Man muss es selber erlebt haben.

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